Na Ihr Luschen. Der kaum vorhandene Sommer hat dieses triste Land verlassen, bevor es überhaupt richtig da war. Jetzt stehen uns graue, eisig kalte und trostlose Herbsttage bevor. Die Selbstmordraten steigen wieder und bald werden wir sicherlich gegen irgendeinen neuartigen Grippenschwein zwangsgeimpft. Und ich seh jetzt schon die meisten von Euch keuchend, hustend, herumrotzend und augentränend in Euren Büros über einer Tasse widerlich schmeckenden Kräutertee schluchzen. Eure Brut steckt sich in deren Haftanstalten Kinderkrippen an und Ihr schleppt dann die sich auf Euer Verrecken freuenden Keime in die Firmen an, wo Ihr dann alle eine Kollektivanstrengung vornehmt, mich anzustecken.
Ich muss auch gestehen, dass ich jahrelang und mit äußerst hartnäckiger Regelmäßigkeit dieses Theater mitgemacht habe. Mit allem, was dazu gehört: Husten, laufender Nase, Fieber, Schüttelfrost und mieser Laune. Aber das alles muß gar nicht sein. Und es ist einfacher, als man denkt.
Seit ein paar Jahren habe ich eine erstaunlich einfache und hundertprozentig wirksame Waffe gegen die Scheisserkältung für mich entdeckt und damit Ihr gar nicht in Versuchung kommt, auf meine Kosten auf arm und krank zu machen, kommt hier mein ultimativer Tipp: Die Abhärtung. Nicht mehr und nicht weniger. Macht es einfach und Euch passiert nie wieder eine Erkältung. Nie wieder, das versprech ich Euch. (Und falls es doch passieren sollte, wird sie viel einfacher durchlaufen.)
Mir ist absolut klar, dass es für die meisten von Euch untrainierten, körperunbewussten Vollversagern viel einfacher gesagt ist, als getan. Ich versuch es trotzdem. Passt jetzt gut auf: Außer viel vitaminreiche Obst und Gemüse in sich hineinzuschaufeln und literweise Wasser sich in den Schlund zu schütten braucht Ihr jämmerliche Luschen etwas ganz einfaches: Kaltes Wasser. Ganz, ganz viel kaltes Wasser. Zur äußerlichen Anwendung.
Lach, ich seh jetzt schon die meisten von Euch erbärmlichen Warmduschern innerlich zusammenzucken, als Ihr diese gnadenlosen Zeilen lest. “Nie, nie und niemals!” höre ich Euch winseln und seh Euch mitleidig zu, wie Ihr mit Euren vor Furcht eingezogenen Schwänzen versucht, auf allen Vieren rückwärts davonzukriechen. Jaja, ich weiß. Ihr alle hasst kaltes Wasser. Weil es so kalt und naß ist und Euch untrainierten speckigen Vollversagern ein einziger Gedanke an eine kalte Dusche einen imaginären Herzinfarkt bereitet. Und wisst Ihr, warum? Weil neben McDonalds, Schwiegermutter und bösem Nachbarn Euer schlimmster Feind immer noch Ihr selbst seid. Also seht es doch einfach als eine Art sportliche Herausforderung: Es endlich einmal schaffen, sich müde lächelnd und entspannt mit kaltem Wasser zu übergießen, ohne brüllend und schnatternd zusammenzubrechen wie ein Streber, den sein Vorgesetzter mit einem plötztlichen Termin konfrontiert hat. Na? Ist doch zu schaffen, oder?
Ich kann Euch beruhigen: Das kann jeder nur so luschiger Mensch schaffen. Hatte anfangs auch Bedenken und ich bin ganz stolz darauf, dass ich es geschafft habe. Bitte jetzt alle mal kurz niederknien und mich ehrfürchtig anbeten. Danke. Natürlich dürfen nur die härtesten unter Euch gleich in ein Eisloch reinspringen. Es geht aber auch viel nervenschonender. Unser Körper hat nämlich diese wundervolle Eigenschaft, sich an alles zu gewöhnen. Also gewöhnen wir ihn einfach mal an das ultimative Kontrastduschprogramm. Los geht’s, macht’s nach.
Ich will, dass Ihr Euch von heute an nach dem täglichen Duschen die Beine und Arme eiskalt abduscht. Ihr habt es richtig gelesen. Eiskalt. Nicht lauwarm. Keine Kompromisse. Dabei fangt Ihr immer unten/rechts hinten an (sprich an der rechten Ferse) und duscht Euch dann entlang der Außenseite des Beines bis nach oben zu eurem fetten Hintern. Dasselbe wiederholt Ihr dann mit dem linken Bein. Klingt doch machbar, hm? Na also. Dasselbe macht Ihr dann mit der Innenseite des Beines. Immer mit dem rechten Bein anfangen und von unten nach oben duschen und dann dasselbe links wiederholen. Gaaanz langsame Bewegung, wie beim Krafttraining. Vielleicht schafft Ihr beim ersten Mal nicht ganz bis zum Hintern hoch. Aber beim nächsten Mal bestimmt.
Jetzt machen wir dasselbe mit den Armen. Rechts unten (an der Hand) auf der Außenseite anfangen und sich langsam nach oben vorarbeiten. Jetzt links. Dann rechts innen und dann links innen. Wiederholt es ein paar mal. Und bitte gaaanz langsam. Ich würde sagen macht es ein Paar Tage so wenn Ihr zu schissig seid, gleich den Hintern und den Bauch mitzunehmen.
Ganz wichtig: Fangt immer auf der Außenseite an, weil da die Haut am unempfindlichsten ist. Das erspart Euch demotivierendes Zusammezucken und Herumpusten. Arbeitet Euch immer langsam von den äußeren Extremitäten zum Rumpf vor, immer in Richtung des Herzens. Nach ein Paar Tagen sollte sich der Körper so daran gewöhnt haben, dass Ihr langsam mit dem Rumpf beginnen könnt. Fangt mit dem Hintern an, das ist dann am einfachsten auszuhalten. Macht weiter mit dem Rücken und dann mit dem Bauch und der Brust. Immer rechts anfangen und sich Schritt für Schritt vorarbeiten. Auch wenn einem ungewohnten Menschen bei den ersten Versuchen den Atem verschlagen kann: Reißt Euch einmal im Leben zusammen und macht einfach, was ich sage.
Viel einfacher ist diese Prozedur natürlich nach einem Saunagang durchzuführen, was aber nicht bedeuten soll, dass man nach dem täglichen Duschen es rauslassen sollte. Es ist ganz wichtig: Macht es täglich, nach jedem Duschen, Euer ganzes Leben lang.
Vorwärts, Genossen. Erkältung muss echt nicht sein. Ich bin jetzt schon stolz auf diejenigen von Euch, die es wirklich durchziehen.
Euer Fitnesszwerg
P.S.: Für die Mädels unter Euch: Diese Prozedur stärkt auch das schlabberige Bindegewebe und trainiert Gefäße. Kann also echt keinem schaden.
Hört sich an, als würd ich das gerne mal ausprobieren. Wobei ich nicht unbedingt anfällig bin für schwere Grippeerkrankungen, meist nur Schnupfen und mal ein paar wenige Tage einen dicken Hals, dann ist alles wieder shiny.
Aber Vorsorge ist immer besser und günstiger als Behandlung.
Grüße
Tarvios
Also, zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck einen Softporno zu lesen … mit dezenten Sadomaso-Einschlägen …
Das hat mir meine Mam schon im frühen Kindesalter beigebracht!:o)
Ich seh es schon kommen…Darling_Ling wird mir, einem dauer-schniefen-geplagtem Wesen, das nun täglich “reinprügeln”. -.-
Naja, aber einen Versuch wäre es wohl wert.
Ach.. zusammen stehen wir das doch durch^^ und ja.. werd ich wohl.. generell mehr und besser auf dich und deine Gesundheit aufpassen, wenn ich dich greifbar hab^^
Wenn ich (fast) jeden Tag in die Sauna gehe, kann ich die kalte Dusche doch darauf beschränken, oder? Außerhalb der Sauna bin und bleibe ich nämlich ein Warmduscher…
Darüber hatte ich gestern mal ein längeres Gespräch mit einer Kollegin. Die geht offensichtlich auch in die Sauna und duscht sich kalt danach ab. Also ich persönlich finde, dass es schon mal ein guter Anfang ist, wobei man natürlich nicht viel “aushalten” muss, denn nach der Sauna sollte der Körper so aufgeheizt sein, dass eine kalte Dusche sich als willkommene leichte Abkühlung anfühlen sollte. Ich sag jetzt mal, das wäre dann die Abhärtungsstufe 0. Sich kalt abzuduschen wäre die Abhärtungsstufe 1. Also Du weißt, was zu tun ist. Hast Du es einmal geschafft, kommt die Abhärtungsstufe 2: Im Eisloch baden.
Was für oberfiese Empfehlungen. Schon beim Gedanken daran stehe ich kurz vorm Herzstillstand. Da ich schon seit 15 Jahren keine Erkältung mehr habe, könnte ich mir das sparen. Das gestärkte Bindegewebe ist allerdings ein Argument.